Statt Strandbar: Einsiedelei (2018)

Hundemesse für Nini the Nose und Gasthund  Duke –  einer links, einer rechts vom Altar, in einer Kapelle mit frisch geliehenem Strom und einem Ave Maria aus dem Schleppi, wie es die kleine Maria auf dem Altar neben San Feliu wohl noch nie gehört hat.

Da wohnen wir jetzt, auf Ninis großer Reise. Soviel ist inzwischen klar geworden: er ist unterwegs back to the roots in seiner Straßenhundeheimat Spanien und ich folge ihm. Meinem guia de viaje auf dieser ungewöhnlichen Reise in die Zukunft und Vergangenheit zugleich.

Als wäre das alles noch nicht verrückt genug – zum Glück haben die Portugiesen ein Wort für das “gute Verrückt” – wollten wir, also ich, ja gar nicht nach Spanien, schon gar nicht in die katalonischen Berge. Da wo gerade friedlicher Bürgerkrieg herrscht.

Nein, eigentlich sollte es nach Uruguay gehen. Dass Spanien da überhaupt der ganzen Breite zu durchfahren war, lag denn auch an Nini the Nose. Wir wollten uns auf den Kanaren mit einem Segler treffen, der von den Azoren über die Cap Verden in Richtung Rio und dann Montevideo unterwegs war.

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Weil der Nini ein guter Hund ist, jetzt in seinem zweiten Leben. Und ein vollkommen traumatisierter, weil aufgehängt, geschlagen und verlassen. Damals, ja damals in Sevilla. Und deshalb gibt es eines, was ich ihm nicht antun möchte. Ihn alleine lassen. Geschweige denn, ihn in eine Kiste stecken und in den Bauch eines Donnervogels zu verfrachten, weil ich unbedingt nach Uruguay will.

Nein, diesmal nicht. Man muss ja nicht jeden Fehler zweimal machen und so eine erzwungene Reise ist schon einmal gründlich schief gegangen. Kanada. Andere Hunde. Anderes Kapitel. Jedenfalls war das der geplante Kompromiss. Wir fahren nach Uruguay, aber zusammen. Auf engstem Raum. Gut zum viel kuscheln. Und das ist für einen dreizehnjährigen Hund, der eh nicht mehr so weit gehen mag doch ganz gut.

Stur ging es bis Huelva. Von Böhmen bis ans südwestliche Ende Europas. Mit Freunden. Guten. Und alleine mit Mietwagen. Gehetzt in einer Nacht quer durch ganz Spanien. Morgen geht die Fähre. Gut, der Punkt auf der Garmin-Karte, der den Julio mit seinem Kutter repräsentiert, nähert sich Gomera. Dem ausgemachten Rendez-Vous. Alles nach Plan. Aber nicht nach Ninis. Er wurde krank. Schwach. Dehydriert.

Und jetzt? Die lange Seereise so antreten. Morgen? Ein Jahr Planung und viel mehr Jahre träumen liefen auf dieses Treffen auf den Kanaren hinaus. Mit einem kranken Nini beginnt man kein solches Abenteuer. Und so vieles bliebe zurück. Freunde. Familie. Europa. Wieder. Nein! Diesmal nicht. Diesmal gehen wir den Weg des Hundes. Ganz. Konsequent. Abbruch. Umorientierung. In Wahrheit vollkommene Desorientierung, zum Glück gepaart mit offenem Vertrauen in die Ungewissheit.

Wir machten kleine Spaziergänge um das Hostal. Sahen Erdbeeren hinter Stacheldraht und security cars, alle in Plaste und am Nährlösungstropf. Gespeist sicher vom Rio Tinto dahinter. Gesäumt von der schlotrauchenden chemischen Homebase des Großkonzerns gleichen Namens. Hier bloß weg.

Somit ist also klar, warum wir nicht nach Uruguay gekommen sind. Aber wie und weshalb wir dann ausgerechnet in einer Einsiedelei in den Pyrenäen gelandet sind, davon handeln die nächsten Geschichten …

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